Ich muss Euch sagen, es weihnachtet sehr

Purpurbeere mit Radisson blu mit Concgess Center Hamburg
In Planten un Blomen unterwegs   Foto: philipp

Auf dem Rückweg eben von der City in die Grindelallee sah ich diese Farbenpracht nahe dem Cafe Seeterrassen in Planten un Blomen.  Im Hintergrund das Radisson Blu, und wenn ich mich nicht täusche auch das neue Congress Center Hamburg.

Sind es jetzt einfach die Knallerbsen aus der Kindheit in lila, oder doch Purpurbeeren? Weiß da jemand Bescheid?

Frohe Weihnachten und ein gesundes, glückliches neues Jahr wünscht Ihnen

Ihr Wolfgang Philipp

 

Wer ist ein Pöseldorfer?

Pöseldorf ist ein Quartier in Rotherbaum
Wie ein Hohlweg, die Milchstraße beim Alstervorland   Foto: philipp

Wo fängt eigentlich Pöseldorf an und wo hört es auf? Tatsächlich lässt sich diese Frage so einfach nicht beantworten. Ich habe recherchiert. Dabei tauchte ein Poststempel „Pöseldorf“ aus dem Jahr 1885 auf. Damit ist Pöseldorf zunächst einmal „amtlich“. Aber die Frage nach den genauen Grenzen bleibt.

Definitionsversuche für das ganz im Nordosten von Rotherbaum gelegene Quartier: Geografisch scheint Pöseldorf begrenzt zu sein durch die Alsterchaussee im Norden, den Harvestehuder Weg im Osten zur Außenalster hin, die Alte Rabenstraße im Süden und im Westen durch den Mittelweg. Soweit so gut. Gefühlt aber liegt Pöseldorf dort, wo die Straßen „Weg“ heißen. Böhmersweg, Brodersweg und natürlich Pöseldorfer Weg. Der aber ragt über die Alsterchausse hinaus ins benachbarte Harvestehude hinein.

Der Pöseldorfer Weg ist eine grüne Straße in Rotherbaum
Es gibt sie noch, die Gärten in Pöseldorf   Foto: philipp

Vielleicht hilft ja der zeitliche Bezug: Damals, so sagt man, als die Hamburger feiertags in dieser Gegend spazieren gingen, sahen sie die Bewohner in ihren Gärten und Höfen „pöseln“. Das ist nun allgemein bekannt und hat seinen Bewohnern den Spitznamen „Pöseldorfer“ eingebracht. Für einen eigenen Poststempel aber wäre das sicher nicht ausreichend gewesen. Es muss mehr dahinterstecken.

St. Johannis an der Heimhuder Strasse in Harvestehude
St. Johannis, von den Pöseldorfern kurzerhand eingemeindet   Foto: philipp

Der ehemalige Hamburger Kultursenator Ascan Klee-Gobert (1894-1967) berichtet 1946 in einem Artikel der DIE ZEIT, dass ab Ende des 19. Jahrhunderts bis zu Beginn des Ersten Weltkrieges Patrizierkreise mit besonderem gesellschaftlichem Anspruch und Zugehörigkeitsgefühl in Pöseldorf zu Hause waren, „denen Harvestehude wohl bereits zu erweitert, um nicht zu sagen vulgär erschien“. Von Beruf war man „Im und Ex“, Assekuranzmakler, oder Reeder, jedenfalls „wurde man Kaufmann oder Jurist“. Auch wenn man einmal in ein neues moderneres Palais rund um die Alster umzog, wohnte man „nur an der Bellevue oder auf der Uhlenhorst“ und wechselte keinesfalls die Kirche (St. Johannis), die Eisenbahn oder gar den Tennisclub. Nach dieser Phase fiel das Quartier jedoch für Jahrzehnte in einen Dornröschenschlaf.

Ehemalige Remise des Budge Palais
Brinkamas ehemaliger Antiquitätenladen   Foto: philipp

Im Jahr 1959 entdeckte der anglophile Antiquitätenhändler Eduard Brinkama das Quartier für sich. Im Zweiten Weltkrieg zwar nicht zerstört, war es allerdings recht heruntergekommen. Er kaufte an der Milchstraße/Ecke  Pöseldorfer Weg den leerstehenden Stall des gegenüberliegenden Budge-Palais (heute Hochschule für Musik und Theater Hamburg), sanierte das Gebäude und eröffnete unten einen Antiquitätenladen. Oben zog er selbst ein. Sein Geschäft mit feinem englischem Mobiliar florierte. Er kaufte weitere der hier oft kleinen und verschachtelten Grundstücke, sanierte sie und vermietete sie an Künstler, Galeristen, Medienschaffende und an Studenten.

Jil Sander legte an der Milchstraße / Ecke Magdalenenstraße den Grundstein für ihr Modelabel
Jil Sanders einstige Boutique   Foto: philipp

In dieser Phase, Ende der 1960er-Jahre, eröffnete auch eine Modejournalistin mit dem Namen Jil Sander ihre erste Bou­tique an der Milchstraße/Ecke Magdalenenstraße. Herr Brinkama selbst empfahl damals viele seiner Häuser dem Denkmalschutz.  Auch das hat dazu beigetragen, dass Pöseldorf etwas Besonderes ist, wo es auch immer anfängt und aufhört.

Winterliche Grüße aus der Grindelallee, Ihr Wolfgang Philipp

Sind Sie von hier?

Chinesischer Garten Yu Garden beim MARKK
Wandelgang im Yu Garden   Foto: philipp

Fragte mich die Dame freundlich, als ich fotografierend auf den Wandelgang zuging. Sie saß dort in der sonnigen Ecke auf der grau gestrichenen, steinernen Bank. Ja, das bin ich, sagte ich. Ist das nicht wunderschön hier, antwortete sie, ich kannte diesen Ort noch gar nicht. Zustimmend lächelnd zog ich weiter, ich wollte doch schöne Fotos schießen, nicht dass noch eine Wolke dazwischen kam.

Chinesischer Teetempel in Rotherbaum
Verwaister Teetempel in Yu Garden   Foto: philipp

Yu Garden in Rotherbaum ist ein etwas rätselhafter Ort, was seinen Reiz aber sogar noch unterstreicht. Haupthaus und Teetempel sind unbewirtschaftet. Dennoch wurde die im Jahr 2008 erbaute Anlage kürzlich wunderschön renoviert. Rote Lampions warten wieder darauf, dass der Wind mit ihnen spielt.

Tor in Yu Garden
Rote Lampions warten auf Wind   Foto: philipp

Dem wohl größten chinesischen Einzelhandelshaus gehörend, steht Yu Garden auf städtischem Grund. Aber ausnahmsweise interessiert mich das als Immobilienmann heute nicht, ich will einfach nur genießen.

Das chinesische Zentrum ist gut bewacht
Löwen bewachen den Eingang   Foto: philipp

Neugierig folge ich dem malerisch verzweigten Weg. Plötzlich führt eine verwinkelte Brücke zum Teehaus. Deren Gestaltung hat einen guten Grund, nach chinesischem Glauben sollen böse Geister nicht um die Ecke gehen können.

Blick vom chinesischen Teehaus zur Villa Ballin an der Feldbrunnenstraße 58
Nach Überquerung der Brücke zum Teehaus   Foto: philipp

Auf dem Vorplatz vom Teehaus angelangt schaue ich auf den Weg zurück. Meine Gedanken fließen. Da wirkt das Gebäude rechts im Hintergrund fast störend. Das aber immerhin ist die ehemalige Villa Albert Ballins, in der auch Kaiser Wilhelm II zu Besuch war.

Falls auch Sie diesen Ort noch nicht kannten, Sie finden ihn in Rotherbaum an der Feldbrunnenstraße Ecke Binderstraße, gleich hinter dem Völkerkundemuseum, das jetzt MARKK heißt.

Sonnige Grüße aus dem Grindelviertel an diesem herrlichen Herbsttag, Ihr Wolfgang Philipp